Tradition trifft Moderne

Tradition trifft Moderne: Neue Möglichkeiten der Rehkitzrettung durch Einsatz von Jagdhund und Drohne

(H.B.) Das heimische Rehwild zählt zu den häufigsten Wildarten in unserer Kulturlandschaft. In den Monaten Mai und Juni setzen die Muttertiere bis zu drei Kitze und legen diese häufig im hohen Gras ab. Dort findet der Nachwuchs Schutz vor möglichen Gefahren wie Fuchs, Wildschwein oder auch freilaufenden Hunden. Bemerkenswert ist, dass die Rehgeiß in der ersten Zeit nach der Geburt nicht dauerhaft beim Kitz verweilt, sondern dieses vorwiegend zum Säugen und Reinigen aufsucht. So verbringt ein Rehkitz die ersten Lebenswochen gut versteckt und durch die gepunktete Fellzeichnung ausgezeichnet getarnt im hohen Gras. Selbst in Gefahrensituation verharrt es flach am Boden gepresst an Ort und Stelle. Erst ab der dritten Lebenswoche erwacht der natürliche Fluchtinstinkt. Die Tatsache, dass ausgerechnet die erste Grünlandmahd zur Erwirtschaftung von Fütterungsvorräten für landwirtschaftliche Nutztiere genau in diese Zeit fällt, stellt sowohl Landwirte als auch Jäger seit jeher vor große Herausforderungen. Die Kitze vor schweren Verletzungen oder gar Tod zu bewahren, ist das gemeinsame Ziel der Kitzrettung.

So werden es immer mehr Landwirte und Jäger, die sich dem Tierschutz verpflichtet fühlen und gemeinsam abgelegte Rehkitze in Wiesen vor dem Mähen aufspüren. In der Vergangenheit geschah dies in den meisten Fällen durch das Absuchen mit dem Jagdhund oder durch das Bilden einer Personenkette, die weiträumig die entsprechende Fläche durchstreift. In den letzten Jahren hat sich nun auch der Einsatz von modernen Drohnen in Kombination mit Wärmebildtechnik im Bereich der Rehkitzsuche etabliert. Dieses Verfahren bietet Landwirten und Jagdpächtern die Möglichkeit, zeitsparend und effektiv ihrer tierschutzrechtlichen Verantwortung gegenüber dem Wild nachzukommen.

Genau vor diesem Hintergrund trafen sich Mitglieder und Hundeführer des Jagd-Clubs Bad Nauheim Mitte April im Niederwildrevier des Revierpächters Roman Lack in Friedberg. Ziel war es, die Funktionalitäten einer eigens für die Kitzrettung angeschafften Drohne in der Praxis zu testen. Zuvor absolvierten die Drohnenpiloten einen Online-Kurs nebst Prüfung beim zuständigen Luftfahrt-Bundesamt.

Praxisnah konnten verschiedene Felder und Grasflächen abgeflogen werden. Mit Hilfe der Wärmebildkamera und einem Monitor, der sich auf der Fernbedienung des Drohnensystems befindet, konnten Temperaturdifferenzen zwischen verschiedenen Wildtieren und dem Erdboden sichtbar gemacht werden.

Neben der neu erworbenen Drohne stehen dem Drohnenteam des Jagd-Clubs Bad Nauheim mehrere ausgebildete Jagdhunde zum klassischen Absuchen der Wiesenflächen zur Verfügung. Diese sich ergänzende Kombination aus Hundenase und moderner Technik lassen die Überlebenschancen der Rehkitze deutlich steigern.

Interessierte Landwirte im Wetteraukreis sowie im Umland von Offenbach können sich in Absprache mit den zuständigen Forstämtern bzw. Jagdpächtern unter folgender E-Mail-Adresse an das Drohnenteam des Jagd-Clubs Bad Nauheim wenden:

kitzrettung[at]jagdclub-badnauheim.de

Je nach Verfügbarkeit und Zuständigkeit kann dann ein Termin im jeweiligen Revier individuell vereinbart werden.

(von links nach rechts) Michaela Fischer mit den Kleinen Münsterländern Elfi vom Streitberg und Ayka vom Weinberg, Hendrik Becker, Carolin Weipert, Stefan Güldenring sowie Christian Nöllgen mit dem Kleinen Münsterländer Harvey II vom Forstweg